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Stiftung Wissenschaft und Politik
Updated: 11 hours 13 min ago

Rechtsstaatlichkeit in der Ukraine – mehr als Korruptionsbekämpfung

Thu, 19/03/2026 - 12:17

Eine Reihe von Skandalen in der Ukraine hat gezeigt, dass der russische Angriffskrieg der Korruption im Land kein Ende gesetzt hat. Auch wenn die Institutionen zu ihrer Bekämpfung eine wichtige Rolle spielen, ist Korruption in der Ukraine nach wie vor Symptom eines Governance-Modells, das den Anforderungen von Rechtsstaatlichkeit noch nicht genügt. Die Schwierigkeiten, die mit einer fundamentalen Über­windung dieses Modells einhergehen, werden oft unterschätzt. Eine solche Trans­formation wird für den Beitritt der Ukraine zur EU jedoch notwendig sein. Sowohl Kyjiw als auch Brüssel werden gleichzeitig an verschiedenen Strängen arbeiten müssen, um Rechtsstaatlichkeit in der Ukraine zu festigen.

Außer Kontrolle

Thu, 19/03/2026 - 10:36
Der Irak rutscht zurück in die Unsicherheit: Pro-iranische Milizen gewinnen Einfluss, Bagdad wirkt machtlos.

Cybereffekte im Iran-Krieg und die Bundesregierung will zurückhacken

Thu, 19/03/2026 - 10:25
In dieser Folge sprechen wir über die Cyberdimensionen des Kriegs im Iran. Welche Rolle haben Cyberfähigkeiten gespielt, um Informationen zu sammeln? Und wie gehen wir mit der Masse an KI-Bildern von diesem Krieg um – ist die Antwort, einfach allen Content zum Krieg zu ignorieren? Außerdem gucken wir auf die aktive Cyberabwehr in Deutschland: Denn es gibt einen neuen Gesetzesentwurf. Der hat aber noch einige Knackpunkte…

The Case of İmamoğlu: Justice as an Instrument of Power in Turkey

Thu, 19/03/2026 - 09:54

One year after the arrest of Istanbul Mayor Ekrem İmamoğlu, Turkey’s political situation remains tense. This is particularly visible in the criminal proceedings against the opposition politician, which have political significance far beyond the courtroom. The start of the trial on 9 March was chaotic: The courtroom became a political stage when İmamoğlu struck a combative tone, prompting the judge to break off the session and clear the hall. The sequence of events shows how sensitive the proceedings are and how deeply doubts about their legality are shaping public debate.

The Trial Is Polarising the Public and Undermining Trust in the Justice System

For many observers, more is at stake than İmamoğlu’s political fate. It is also a question of whether President Recep Tayyip Erdoğan can maintain his power. He is under pressure because of foreign policy concerns related to the war involving the United States, Israel, and Iran – a conflict Turkey prefers to stay out of – as well as continuing economic difficulties at home. At the same time, his approval ratings are falling.

A large segment of the population considers the criminal proceedings to be politically motivated. Outside Erdoğan’s support base and the pro-government media, an alternative narrative has taken hold: İmamoğlu has been indicted because he triumphed four times against Erdoğan’s Justice and Development Party (AKP) in Istanbul, and he stands a strong chance of becoming the opposition’s presidential candidate.

Lawyers regard the 3,739-page indictment as resting on thin evidence. They doubt that it is necessary to keep the defendants – first and foremost İmamoğlu – in custody during the trial. The indictment is based on statements given by undisclosed witnesses, and it remains imprecise in parts. Scepticism is also fuelled by the fact that prosecutor Akın Gürlek is known for legally controversial cases against opposition members and those critical of the government. Gürlek is now Minister of Justice, whose appointment is being challenged in court.

There are strong indications that the proceedings serve political ends. The opposition is to be weakened, the Republican People's Party (CHP) politically paralysed, and its leadership persuaded to drop İmamoğlu’s candidacy.

Several CHP district mayors were removed from office and arrested. Some switched to the AKP under pressure arising from the threat of criminal proceedings, while numerous critics were also arrested. Selahattin Demirtaş, former leader of the predecessor party of today’s Peoples' Equality and Democracy Party (DEM party), remains in prison despite rulings by the European Court of Human Rights. In several municipalities in south-eastern Turkey, elected mayors of DEM party continue to be replaced by government-appointed trustees.

How Things Could Proceed in the Trial 

As with the Ergenekon trials, the outcome of the case against İmamoğlu is likely to depend heavily on the political climate. In that mammoth case, which took place between 2007 and 2013, military officials, journalists, and academics were charged with allegedly plotting a conspiracy against the government. Many of the sentences were later overturned.

The verdict in the İmamoğlu trial may be delayed or shaped in such a way as to eliminate İmamoğlu as a presidential candidate. The CHP would be weakened, while Erdoğan’s governing bloc would be able to consolidate its autocratic rule. However, the prerequisite for Erdoğan’s renewed candidacy would be either early elections triggered by the dissolution of parliament or a constitutional amendment.

Since Turkey’s economy lacks momentum and broad segments of the population are suffering from a loss of purchasing power, the de-escalation of the Kurdish conflict could become a decisive factor for electoral success. However, the condition for this would be that the Kurdistan Workers' Party (PKK) is disarmed, which would require the CHP to continue supporting the process.

This gives the CHP, as the second strongest parliamentary group, a potentially important negotiating position vis-à-vis the government. If the party leadership is wise, it could help secure İmamoğlu’s release from prison or even his acquittal.

Der Fall İmamoğlu: Justiz als Machtinstrument in der Türkei

Thu, 19/03/2026 - 09:10

Ein Jahr nach der Festnahme des Istanbuler Oberbürgermeisters Ekrem İmamoğlu bleibt die politische Lage in der Türkei angespannt. Besonders sichtbar wird dies im Strafverfahren gegen den Oppositionspolitiker, das weit über den Gerichtssaal hinaus politische Bedeutung hat. Bereits der Auftakt der Verhandlungen am 9. März verlief chaotisch: Der Gerichtssaal wurde zur politischen Bühne, als İmamoğlu einen kämpferischen Ton anschlug. Daraufhin brach der Richter die Sitzung ab und ließ den Saal räumen. Der Verlauf zeigt, wie sensibel das Verfahren ist und wie stark Zweifel an seiner Rechtmäßigkeit die öffentliche Debatte prägen. 

Strafprozess polarisiert und untergräbt Vertrauen in die Justiz 

Für viele Beobachter steht mehr auf dem Spiel als İmamoğlus politisches Schicksal. Es geht auch darum, ob Präsident Recep Tayyip Erdoğan seine Macht behaupten kann. Er steht ohnehin unter Druck: außenpolitisch wegen des Kriegs zwischen den USA, Israel und Iran, aus dem sich die Türkei heraushalten will, und innenpolitisch angesichts anhaltender wirtschaftlicher Schwierigkeiten. Gleichzeitig sinken seine Zustimmungswerte. 

Ein großer Teil der Bevölkerung betrachtet das Strafverfahren als politisch motiviert. Jenseits der Erdoğan-Anhänger und der regierungsnahen Medien etabliert sich ein alternatives Narrativ: İmamoğlu sei angeklagt worden, weil er viermal gegen Erdoğans Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) in Istanbul gewonnen hat und als Präsidentschaftskandidat gute Chancen hätte. 

Juristen sehen in der 3.739 Seiten starken Anklageschrift eine dünne Beweisgrundlage. Sie bezweifeln, dass es notwendig ist, die Angeklagten – allen voran İmamoğlu – während des Strafprozesses in Haft zu halten. Die Anklage stützt sich auf Aussagen geheimer Zeugen und bleibt in Teilen unpräzise. Die Skepsis wird auch dadurch genährt, dass der anklagende Staatsanwalt Akın Gürlek für seine juristisch umstrittenen Verfahren gegen Oppositionelle und kritische Stimmen bekannt ist. Gürlek ist inzwischen Justizminister, dessen Ernennung gerichtlich angefochten wird.

Vieles deutet darauf hin, dass das Vorgehen politischen Zielen dient. Die Opposition soll geschwächt, die Republikanische Volkspartei (CHP) politisch gelähmt und ihre Führung dazu bewegt werden, die Kandidatur von İmamoğlu fallenzulassen. 

Mehrere CHP-Bezirksbürgermeister wurden abgesetzt und verhaftet. Einige wechselten unter dem Druck drohender Strafverfahren zur AKP, während zahlreiche Kritiker verhaftet wurden. Selahattin Demirtaş, ehemaliger Vorsitzender einer Vorgängerpartei der heutigen Partei für Emanzipation und Demokratie der Völker (DEM-Partei), bleibt trotz Urteilen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte weiterhin in Haft. In mehreren Kommunen in der Südosttürkei sind weiterhin staatliche Zwangsverwalter eingesetzt. 

Wie es im Strafprozess weitergehen könnte

Der Ausgang des Strafprozesses gegen İmamoğlu dürfte, ähnlich wie bei den Ergenekon-Verfahren, stark von der politischen Lage abhängen. In diesem Mammutprozess, der zwischen 2007 und 2013 stattfand, wurden Militärs, Journalisten und Akademiker angeklagt, die angeblich eine Verschwörung gegen die Regierung geplant haben sollen. Viele der Urteile wurden später aufgehoben.

Es ist zu erwarten, dass das Urteil hinausgezögert wird oder so ausfällt, dass İmamoğlu als Präsidentschaftskandidat ausgeschaltet wird. Die CHP würde geschwächt, während der Regierungsblock um Erdoğan seine autokratische Herrschaft festigen könnte. Voraussetzung für eine erneute Kandidatur Erdoğans wären jedoch entweder vorzeitige Wahlen durch Selbstauflösung des Parlaments oder eine Verfassungsänderung. 

Da eine wirtschaftliche Dynamik ausbleibt und breite Bevölkerungsschichten unter Kaufkraftverlust leiden, könnte die Befriedung des Kurdenkonflikts als wahlentscheidende Erfolgsgeschichte an Bedeutung gewinnen. Vonnöten dafür wäre allerdings, dass die Entwaffnung der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) abgeschlossen ist, wofür es allerdings wichtig ist, dass die CHP den Prozess weiterhin unterstützt. 

Damit erhält die CHP als zweitstärkste Fraktion im Parlament eine potenziell wichtige Verhandlungsposition gegenüber der Regierung. Wenn die Parteiführung dies geschickt nutzt, könnte sie für İmamoğlu eine Haftentlassung oder sogar einen Freispruch erreichen.

Ankara’s Critical View of the EU–India Free Trade Agreement

Fri, 13/03/2026 - 14:40

Thirty years after establishing a customs union with the European Union (EU), Ankara sees growing economic risks in the EU’s free trade agreements with third countries, most recently India. While negotiations on the EU–India Free Trade Agreement were concluded at the end of January, and security cooperation between the EU and India is now also to be expanded, Ankara remains on the sidelines. From Turkey’s perspective, the agreement could also weaken its significance in the EU’s strategic calculus. Ankara is therefore making a strong case for the modernisation of the customs union. It cannot be ruled out that the structural asymmetries of the customs union will become even more entrenched to Turkey’s detriment: Market integration without political participation may place Turkey at a lasting disadvantage and strain its rela­tions with the EU. Once the free trade agreement enters into force, Indian products will gain easier access to the Turkish market, whereas Turkish products will not gain corresponding access to India. Due to geopolitical differences with India, Tur­key also sees risks to its own regional interests. Brussels and Berlin could use this constellation to put cooperation with Ankara on a viable institutional footing.

Bangladeschs politische Neuordnung nach den Parlamentswahlen

Fri, 13/03/2026 - 11:38

Die Parlamentswahlen in Bangladesch am 12. Februar 2026 markierten eine Zäsur in der neueren Geschichte des Landes. Im August 2024 war Premierministerin Sheikh Hasina gestürzt worden, die mit einer Unterbrechung insgesamt 20 Jahre amtiert hatte. Anschließend übernahm eine Interimsregierung unter Führung des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus die Amtsgeschäfte. Ihr gelang es nach zwei un­sicheren Jahren, formal ordnungsgemäße Wahlen durchzuführen. Das politische System Bangladeschs hat damit eine hohe institutionelle Resilienz bewiesen. Zugleich wirft das Wahlergebnis neue Fragen auf, was die Zukunft des demokratischen Plura­lismus im Land angeht. So bedeutet der klare Wahlsieg der Nationalistischen Partei Bangladeschs (BNP), dass auch weiterhin eine der beiden historischen Familiendynastien an der Spitze des Landes stehen wird. Stimmenzuwächse erzielte das muslimisch-fundamentalistische Lager, was die gesellschaftliche Rolle der Frauen einschränken und eine Wiederannäherung Bangladeschs an das Nachbarland Indien erschweren könnte.

Kann eine Allianz der Mittelmächte Großmachtwillkür bremsen?

Thu, 12/03/2026 - 14:34
Der kanadische Premier hat ein Bündnis vorgeschlagen, um sich gegen den neuen Imperialismus zu wehren. Doch je nach Partnerwahl könnte das sogar kontraproduktiv sein, warnt Lars Brozus.

Machtwechsel in Chile

Thu, 12/03/2026 - 12:47

Mit dem Amtsantritt von José Antonio Kast am 11. März 2026 und dem Ende der Präsidentschaft von Gabriel Boric fand in Chile ein Machtwechsel statt, der die größte politische Veränderung seit dem Übergang zur Demokratie markiert. Zwar ist Kast der globalen radikalen Rechten zuzuordnen und hat im Wahlkampf die Notwendigkeit eines fundamentalen Wandels betont. Aufgrund seines zurückhaltenden Stils und der politischen Tradition des Landes dürfte seine Regierungsführung jedoch weniger disruptiv ausfallen als die von Donald Trump in den USA, Javier Milei in Argentinien oder Jair Bolsonaro in Brasilien. Während der chilenische Institutionenrahmen sich mäßigend auswirkt, begünstigt der externe Faktor Trump eine Politik, die Rechtsstaat und Demokratie in der Region erodieren lassen könnte.

Eine neue »Nord-Süd-Kommission«

Thu, 12/03/2026 - 10:40

Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung nimmt die Ankündigung einer neuen »Nord-Süd-Kommission« einen durchaus hervorgehobenen und sichtbaren Platz ein. Sie soll das Verhältnis Deutschlands zu den Ländern des Globalen Südens im Sinne eines globalen Netzwerks neu bestimmen. Das inhaltliche Profil der avisierten Kommission ist bislang jedoch noch nicht näher definiert worden. Auch darüber, wie das Gremium arbeiten soll, ist noch nichts bekannt geworden. Eines kann jedoch schon vorweggenommen werden: Für einen Erfolg gilt es, das historische Vorbild der Brandt-Kommission aus den 1970er Jahren hinter sich zu lassen und einen anderen Weg einzuschlagen: weg von der traditionellen Kommissionsarbeit der Elder Statesmen und hin zu einem prozess­orientierten Ansatz, der die vielen, auch widersprüchlichen Stimmen aus dem Glo­balen Süden aufzunehmen vermag.

How Mojtaba Khamenei Became the Supreme Leader

Wed, 11/03/2026 - 15:22
And What It Means for Iran’s Domestic and Foreign Policy

Nahost-Experte: Iran nutzt Konflikt zwischen USA und Israel

Wed, 11/03/2026 - 15:13
Im Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran, könnte Teheran von unterschiedlichen Interessen seiner Gegner profitieren. Der Nahost-Experte Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik sagt, dass die USA und Israel in dem Konflikt nicht unbedingt dieselben Ziele verfolgten.

Working in Germany

Tue, 10/03/2026 - 16:15
Shaping fair recruitment - preventing exploitation

Zum Arbeiten nach Deutschland

Tue, 10/03/2026 - 11:48
Faire Anwerbung gestalten – Ausbeutung verhindern

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