Bonn, 27. April 2026. KI- und Blockchain-Technologien verändern die Entwicklungsfinanzierung grundlegend. Dies war eines der zentralen Themen während der Frühjahrstagung 2026 des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbankgruppe (WBG). Doch was bedeutet das für die Zukunft der Entwicklungsfinanzierung und ihre Architektur?
Die Bereitstellung von Entwicklungsfinanzierung stützt sich in erster Linie auf zwei Säulen: erstens auf menschliches und organisatorisches Fachwissen und zweitens auf Finanzströme, die über vertrauenswürdige Organisationen vermittelt werden. Heute stehen gleich beide Säulen unter dem Druck disruptiver Innovationen: Das Fachwissen wird durch KI grundlegend umgestaltet, die Finanzströme durch blockchainbasierte Zahlungs- und Smart-Contract-Lösungen.
Traditionell stützt sich die Entwicklungsfinanzierung auf das Fachwissen von Expert*innen in Entwicklungsbanken, internationalen Organisationen, Ministerien und von anderen lokalen Partnern, die Projekte entwerfen und bewerten, Risiken einschätzen sowie Know-how und Kapital auf Grundlage gesammelten Wissens und (oft lückenhafter) Daten zuweisen.
KI-Systeme können durch die Verarbeitung riesiger Datensätze, die von Satellitenbildern bis hin zu Echtzeit-Wirtschaftsindikatoren reichen, Erkenntnisse schneller und umfassender als Menschen generieren. Für Entwicklungsfinanzierungsinstitute (DFIs) bedeutet dies sowohl eine Chance als auch eine Herausforderung: Sie müssen den Übergang von Wissensspeichern hin zu Koordinatoren KI-gestützter Wissenssysteme vollziehen.
Die zweite Säule der Entwicklungsfinanzierung, nämlich die Finanzströme, durchläuft einen ebenso tiefgreifenden Wandel. Bislang wurden Kapitalströme in der Entwicklungsfinanzierung größtenteils über zentrale Institutionen abgewickelt. Die Blockchain-Technologie bricht mit diesem Paradigma, indem sie dezentrale, transparente und unveränderliche Finanzinfrastrukturen ermöglicht. Mithilfe von Smart Contracts können Mittel automatisch ausgezahlt werden, sobald vordefinierte Bedingungen erfüllt sind.
Der tiefgreifendste Wandel ergibt sich aus dem Zusammenspiel dieser beiden Umbrüche. KI verändert die Entscheidungsfindung, Blockchain ihre Umsetzung. Zusammen schaffen sie ein neues Paradigma der Entwicklungsfinanzierung, in dem Kapitalzuweisung und -auszahlung – wenn die richtigen Kontroll- und Aufsichtsmechanismen vorhanden sind – automatisiert, datengesteuert und überprüfbar werden.
Vom Pilotprojekt zur Skalierung: bewährte Verfahren rund um den GlobusÄußerst erfolgreiche Pilotprojekte auf der ganzen Welt geben einen Einblick in diese nahe Zukunft: So testet die brasilianische Zentralbank beispielsweise tokenisierte Dekarbonisierungszertifikate. Wenn Satellitendaten eine Verringerung der CO₂-Emissionen bestätigen, werden diese automatisch an Kleinbäuer*innen ausgezahlt.
In Syrien hat die deutsche Entwicklungszusammenarbeit eine erfolgreiche Pilotinitiative zur Digitalisierung der Gehaltszahlungen für Beschäftigte im Gesundheitswesen gestartet. Jahrelange politische Instabilität hat das Bankensystem des Landes erheblich geschwächt. Herkömmliche Überweisungsmethoden sind häufig mit Korruptionsrisiken, aufwändigen Verwaltungsabläufen, langen Verzögerungen und hohen Transaktionskosten verbunden. Zahlungen an mehr als 900 Gesundheitsfachkräfte über eine stabile digitale Währung haben sich als hocheffiziente Alternative erwiesen. Darüber hinaus hat das UNHCR zwischen 2022 und 2025 rund 240.000 Menschen, die zur Flucht gezwungen waren, mit blockchainbasierten Zahlungen unterstützt und damit die Geschwindigkeit, Effizienz und Transparenz der Hilfslieferungen erhöht.
Wie sich Entwicklungsfinanzierungsinstitute anpassen könnenEntscheidend ist, dass die doppelte Disruption die Bedeutung der Entwicklungsfinanzierungsinstitute nicht schmälert, sondern vielmehr erhöht. DFIs müssen Daten verwalten, Nachvollziehbarkeit gewährleisten und die dezentralen Systeme regulieren. Dies wird die Architektur der Entwicklungsfinanzierung grundlegend verändern.
Vor diesem Hintergrund lassen sich drei Beobachtungen anstellen. Was die Organisationsgestaltung betrifft, werden sich DFIs zu plattformbasierten Koordinatoren entwickeln, die Datenökosysteme, Stakeholder- und Partnermanagement sowie Infrastrukturen der dezentralen Finanzwirtschaft miteinander verbinden. Zweitens wird sich das Personalmanagement in DFIs voraussichtlich auf ein neues Kompetenzprofil ausrichten, das (i) KI für Routinetätigkeiten, (ii) menschliche Erfahrung für komplexe Entscheidungsprozesse und (iii) multidisziplinäre Vernetzungskompetenz verbindet. Drittens werden DFIs verstärkt in Partnerschaftsökosysteme investieren und sich zunehmend zu Plattform-Hubs entwickeln, um gemeinsam mit Technologieunternehmen und Datenanbietern Lösungen zu erarbeiten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Entwicklungsfinanzierung in eine neue Ära eintritt, die von einem doppelten Umbruch geprägt ist, und dies ist natürlich mit Risiken verbunden. Um nur einige zu nennen: KI kann Vorurteile reproduzieren und halluzinieren. Dies macht eine menschenzentrierte KI (oder Augmented Intelligence) umso wichtiger. Bei der Bewertung jeder Blockchain-Lösung (z. B. Kryptowährungen, Stablecoins, digitale Zentralbankwährungen oder Smart Contracts) ist es unerlässlich, die gesamte Entstehungs- und Governance-Kette genau zu betrachten: Wer hat das Protokoll entworfen und entwickelt, wer gibt die darauf aufbauenden Vermögenswerte aus, wer betreibt und wartet das Netzwerk, welche externen Effekte (z. B. Energieverbrauch) entstehen und letztlich, wer nutzt es?
Trotz aller Risiken überwiegt aus unserer Sicht die Chance: Die doppelte Disruption verspricht erhebliche Effizienz- und Transparenzgewinne – wenn wir sie gut vorbereiten.
Prof. Dr. Clara Brandi ist Abteilungsleiterin am German Institute of Development and Sustainability (IDOS) und Professorin für Internationale Wirtschaft/Entwicklungsökonomie an der Universität Bonn.
Dr. Max Büge ist ein führender Experte für KI und Blockchain im Finanzwesen. Bei der GIZ leitet er ein internationales Projekt zum Thema digitale Finanzen für Nachhaltigkeit.
Die geäußerten Meinungen sind die der Autor*innen und spiegeln nicht unbedingt die ihrer Organisationen wider.
Der Deutsche Bundestag hat soeben den Tankrabatt beschlossen. Wenn der Bundesrat am frühen Nachmittag ebenfalls zustimmt, sinkt die Energiesteuer auf Benzin und Diesel ab 1. Mai befristet auf zwei Monate um 17 Cent pro Liter. Dazu eine Einschätzung von Claudia Kemfert, Energieökonomin und Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin):
Der Tankrabatt ist ein energiepolitischer Kurzschluss und in der aktuellen Situation die schlechteste aller Lösungen. Er ist teuer, ineffizient und sozial unausgewogen. Große Teile des Tankrabatts kommen womöglich gar nicht bei den Bürgerinnen und Bürgern an, sondern landen bei den Mineralölkonzernen. Gleichzeitig setzt der Tankrabatt Fehlanreize, da er den Verbrauch fossiler Energien stabilisiert, statt ihn zu reduzieren.
Wir stecken nach wie vor tief in fossilen Abhängigkeiten, und genau diese werden durch solche Maßnahmen eher verfestigt als aufgelöst. Kurzfristige Entlastungen mögen politisch attraktiv erscheinen, langfristig verschieben sie jedoch die Probleme und erhöhen die wirtschaftlichen und energiepolitischen Risiken. In einer geopolitisch angespannten Lage braucht es keine neuen Subventionen für fossile Energien, sondern eine konsequente Beschleunigung der Energiewende.
Entscheidend ist eine zielgenaue Entlastung, die insbesondere Haushalte mit niedrigen Einkommen erreicht, ohne klimapolitisch kontraproduktiv zu wirken. Gleichzeitig muss die Politik stärker auf Energieeinsparungen, den Ausbau erneuerbarer Energien und mehr Effizienz setzen. Nur so lassen sich Versorgungssicherheit, Preisstabilität und Klimaschutz miteinander in Einklang bringen.
Field experiments in Lima, Peru show that correcting social misperceptions and sending SMS reminders can significantly boost recycling participation.
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Les militants dénoncent le manque de financement et l'absence de délais contraignants
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Ioannis Alexandris, Research Fellow and Alessandro Ieranò, Research Assistant at the Wider Europe Programme of ELIAMEP explore Hungary’s landmark electoral shift and its broader implications for the European Union. It highlights the key drivers behind Peter Magyar’s victory and assesses how a new political era in Budapest could reshape the country’s relationship with Brussels and the trajectory of EU integration.
Read the ELIAMEP Explainer here.
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IPI, in partnership with the Permanent Missions of Bahrain and Switzerland, and the United Nations Department of Safety and Security (UNDSS), cohosted a fireside chat between IPI President Zeid Ra’ad Al Hussein and Gilles Michaud, UN Under-Secretary-General (USG) for Safety and Security on April 22nd.
In the conversation, USG Michaud reflected on his seven-year tenure leading the Department of Safety and Security (DSS) and the United Nations Security Management System (UNSMS), comprising over 50 organizations. The discussion shed light on how the UNSMS is addressing current challenges such as increasing threats from state and non-state actors, the UN funding crisis, and the evolving multilateral landscape. It also focused on how the UNSMS is embracing new opportunities, including emerging technologies, to meet its goal of enabling the UN to stay and deliver while mitigating security risks to its approximately 180,000 personnel.
This discussion took place against the backdrop of the recent Security Council briefing on Resolution 2730 (2024) and annual General Assembly deliberations culminating in the adoption of Resolution 80/112 (2025) on the safety and security of humanitarian personnel and protection of UN personnel. USG Michaud shared his lived experience, often behind the scenes, of directing security support to reach people in need or to assist personnel and families affected by traumatic incidents, and his efforts to ensure that the UNSMS remains fit for purpose for years to come.
Welcome and Opening Remarks:
Zeid Ra’ad Al Hussein, President and CEO, International Peace Institute
Oliver Hoehne, Deputy Permanent Representative of Switzerland to the United Nations
Featured Speaker:
Gilles Michaud, UN Under-Secretary-General (USG) for Safety and Security
Closing Remarks:
Suma Sameer Abdulkarim Alalaiwat, Deputy Permanent Representative of the Kingdom of Bahrain to the United Nations
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Dr. Semuhi Sinanoglu argues that existing explanations for the opposition’s success in Hungary are after the fact and secondary. Without Magyar’s legal immunity and financial mobilization, this victory would be impossible.
Dr. Semuhi Sinanoglu argues that existing explanations for the opposition’s success in Hungary are after the fact and secondary. Without Magyar’s legal immunity and financial mobilization, this victory would be impossible.
Dr. Semuhi Sinanoglu argues that existing explanations for the opposition’s success in Hungary are after the fact and secondary. Without Magyar’s legal immunity and financial mobilization, this victory would be impossible.
Climate action is shaped as much by politics as by technology and economics. The Shared Socioeconomic Pathways (SSPs), central to mitigation and adaptation assessments, do not yet include a quantitative representation of political development. We outline a research agenda to systematically integrate political dimensions into climate scenario modelling.
Climate action is shaped as much by politics as by technology and economics. The Shared Socioeconomic Pathways (SSPs), central to mitigation and adaptation assessments, do not yet include a quantitative representation of political development. We outline a research agenda to systematically integrate political dimensions into climate scenario modelling.
Climate action is shaped as much by politics as by technology and economics. The Shared Socioeconomic Pathways (SSPs), central to mitigation and adaptation assessments, do not yet include a quantitative representation of political development. We outline a research agenda to systematically integrate political dimensions into climate scenario modelling.
Wegen des Iran-Kriegs wächst die Sorge, dass es zu Engpässen bei der Kerosin-Versorgung kommt. Dazu eine Einschätzung von Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt im DIW Berlin:
Deutschland steht derzeit nicht vor einem akuten Kerosin-Blackout, aber vor einer ernsthaften Stressprobe. Die Versorgung ist noch stabil, doch anhaltende geopolitische Spannungen treiben Preise und erhöhen den Druck auf die Infrastruktur. Am Ende zahlen vor allem Verbraucher*innen die Rechnung dieser fossilen Krisenabhängigkeit. Das ist der Preis der verschleppten Energiewende.
Aktuell ist Deutschland noch mit Kerosin versorgt, aber die Lage ist angespannt. Ein Großteil des Kerosins stammt aus heimischen und europäischen Raffinerien, insbesondere aus dem Nordwesteuropa-Raum rund um Rotterdam. Gleichzeitig ist Europa stark importabhängig und globale Lieferketten, etwa über die Straße von Hormus, spielen eine zentrale Rolle. Das macht das System krisenanfällig, auch wenn es aktuell noch stabil wirkt.
Ein Kerosin-Mangel kann abgewendet werden, wenn schnell gegengesteuert wird. Entscheidend sind zusätzliche Importe, etwa aus den USA, eine höhere Auslastung der Raffinerien sowie der Zugriff auf strategische Reserven. Die Bundesregierung kann hier koordinierend eingreifen, Importwege flexibilisieren und die Verteilung priorisieren. Letztlich ist das aber eine europäische Aufgabe, die enge Abstimmung erfordert.
Reisende müssen sich derzeit eher auf höhere Preise als auf flächendeckende Ausfälle von Flügen einstellen. Airlines könnten bei anhaltender Knappheit einzelne Verbindungen reduzieren, vor allem weniger profitable Strecken. Ein genereller Zusammenbruch des Flugverkehrs ist aber nicht zu erwarten. Die Entwicklung wird sich zunächst über Preise und punktuelle Anpassungen im Flugplan zeigen.