Die Europäische Zentralbank (EZB) hat in ihrer heutigen Ratssitzung den Leitzins unverändert gelassen. Dazu eine Einschätzung von Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin):
Die Europäische Zentralbank (EZB) steckt derzeit in einem Dilemma: Die schwache Wirtschaft im Euroraum könnte die Inflation zu stark drücken, während geopolitische und geoökonomische Konflikte den gegenteiligen Effekt haben und die Inflation wieder anheizen könnten. Auch wenn die EZB ihre Leitzinsen erneut unverändert lässt, muss sie jetzt signalisieren, dass sie flexibel bleibt.
Momentan liegt die Inflationsrate unter dem EZB-Ziel der Preisstabilität. Die anhaltende wirtschaftliche Schwäche im Euroraum – besonders in Deutschland – könnte in diesem Jahr zu weiter fallenden Inflationsraten und einem klaren Verfehlen des Inflationsziels führen. Eine Aufwertung des Euro würde diesen Trend noch verstärken und vor allem deutschen Exporteuren zusätzlich schaden. Gleichzeitig könnten Strafzölle und steigende Energiepreise infolge geopolitischer Spannungen die Preise wieder deutlich steigen lassen.
Die EZB muss daher sorgfältig zwischen langfristigen strukturellen Problemen und kurzfristigen konjunkturellen Schwankungen unterscheiden. Es zeichnet sich ab, dass die strukturellen Schwächen der europäischen Wirtschaft noch länger bestehen bleiben werden.
Daher sollte die EZB klar kommunizieren, dass sie gewillt und fähig ist, schnell und flexibel zu handeln. Ich gehe davon aus, dass der nächste Zinsschritt noch in diesem Jahr eine weitere Senkung des Leitzinses sein wird.
Die im DIW Berlin angesiedelte forschungsbasierte Infrastruktureinrichtung Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) ist eine der größten und am längsten laufenden multidisziplinären Panelstudien weltweit, für die derzeit jährlich etwa 30.000 Menschen in knapp 15.000 Haushalten befragt werden. Das SOEP hat den Anspruch den gesellschaftlichen Wandel zu erfassen und steht immer neuen vielfältigen Themen- und Aufgabenfeldern gegenüber. Für das Kohäsionspanel, das in Kooperation mit der Universität Bremen durchgeführt wird, suchen wir um nächstmöglichen Zeitpunkt eine studentische Hilfskraft (w/m/d) für 10 Wochenstunden.
Ihre Aufgabe ist die Mitwirkung bei der umfragemethodischen Erforschung der Daten, inklusive der Aufbereitung, Prüfung, Analyse und Visualisierung von längsschnittlichen und experimentellen Umfragedaten. Sie sind direkt in laufende Datenanalyseprojekte eingebunden, nehmen unterstützend an der Forschungstätigkeit teil und lernen so den Prozess von der Projektplanung über die Datenerhebung bis zur Publikation von Forschungsergebnissen kennen.
Die Europäische Union und Indien haben ein umfassendes Freihandelsabkommen beschlossen. Welche Bedeutung das hat, kommentiert die Handelsexpertin des DIW Berlin, Sonali Chowdhry:
Das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Indien ist von großer Bedeutung. Die bilaterale Partnerschaft gewinnt nach einem langen Verhandlungsprozess, der 2007 begann und wiederholt ins Stocken geriet, die nun dringend benötigte Dynamik. Indien wird bis 2026 voraussichtlich um 7,3 Prozent wachsen und in den kommenden Jahren zu einer der drei größten Volkswirtschaften der Welt aufsteigen. Die EU kann es sich kaum leisten, ihre Präsenz auf diesem Markt nicht auszubauen.
Das Abkommen baut auf den bilateralen Handelsbeziehungen zwischen der EU und Indien auf, die bereits mehr als 170.000 Käufer-Lieferanten-Beziehungen zwischen indischen und EU-Unternehmen umfassen. Durch den Abbau von Zöllen und anderen Handelshemmnissen in Schlüsselindustrien eröffnet das Abkommen EU-Exporteuren in vielen Sektoren wie Automobil, Maschinenbau und Getränken neue Möglichkeiten. Gleichzeitig wird sich der Marktzugang für indische Exporte wie Arzneimittel, IT-Dienstleistungen und Textilien verbessern.
Über diese unmittelbaren wirtschaftlichen Vorteile hinaus erfüllt das Abkommen eine weitere wichtige Funktion, die nicht unterschätzt werden sollte: Es ist eine Versicherungspolice in der derzeitigen unsicheren Lage. Denn die im Rahmen von Freihandelsabkommen eingegangenen Verpflichtungen sorgen für Transparenz und Vorhersehbarkeit im internationalen Handel und in der globalen Governance, die anderswo untergraben werden. Solche Freihandelsabkommen schützen das globale Handelssystem und verhindern, dass es in eine Spirale des Protektionismus gerät.
Der Wirtschaftsflügel der CDU hat vorgeschlagen, das Recht auf Teilzeitarbeit abzuschaffen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Dies kommentiert Katharina Wrohlich, Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics im DIW Berlin, wie folgt:
Die Abschaffung des Rechtsanspruchs auf Teilzeit würde den Fachkräftemangel in Deutschland nicht lösen. Besser wäre es, an anderer Stelle anzusetzen: Zum einen müssten das Angebot und die Qualität der Kinderbetreuung deutlich verbessert werden, denn nicht alle Frauen arbeiten freiwillig in Teilzeit – manche würden gerne ihre Arbeitszeit erhöhen, können dies aber aufgrund mangelnder Kinderbetreuung nicht.
Zum anderen müssten die finanziellen Anreize zur Mehrarbeit speziell für die Gruppe erhöht werden, die derzeit besonders häufig in Teilzeit ist: verheiratete Frauen. Eine Reform des Ehegattensplittings könnte eine höhere Wochenarbeitszeit für Frauen finanziell deutlich attraktiver machen. Das jetzige Steuersystem belohnt vor allem die Aufteilung, dass einer Vollzeit arbeitet und (meist) eine im Minijob. Dementsprechend sollte auch die Minijob-Regelung reformiert und auf Schüler*innen, Studierende und Rentner*innen begrenzt werden. Durch eine solche Reform wäre eine gleichmäßigere Aufteilung der Erwerbs- und Sorgearbeit für Paare attraktiver. Dies wäre nicht nur aus arbeitsmarktpolitischer, sondern auch aus gleichstellungspolitischer Perspektive wichtig: Es würde die ökonomische Eigenständigkeit von Frauen erhöhen und hätte nicht zuletzt auch einen positiven Einfluss auf deren Alterseinkünfte."
Die Abteilung Makroökonomie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) analysiert gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge mit empirischen und theoretischen Methoden. Die Forschungsarbeiten der Abteilung ordnen sich den drei Themenbereichen Konjunkturpolitik der europäischen Währungsunion, Makroökonomie und Verteilung und Makroökonomische Aspekte des Klimawandels zu. In den Forschungsarbeiten werden Modelle entwickelt und Datensätze generiert. Die Forschungsergebnisse bilden die Grundlage für die Infrastruktur der Prognose und Politikberatung. So fließen die Ergebnisse direkt in die Prognosen des DIW Berlin und die Gemeinschaftsdiagnose ein.
Wir suchen zum nächstmöglichen Zeitpunkt zwei studentische Hilfskräfte (w/m/d) für jeweils 12 Wochenstunden.
Die Abteilung Staat (Public Economics) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine
studentische Hilfskraft (w/m/d)
(für 10 Wochenstunden).
Die deutsche Wirtschaft ist 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 Prozent gewachsen, wie das Statistische Bundesamt heute bekannt gegeben hat. Dazu eine Einschätzung von Geraldine Dany-Knedlik, Konjunkturchefin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin):
Mit einem Plus von 0,2 Prozent ist die deutsche Wirtschaft 2025 zwar wieder gewachsen, die Erholung fällt aber deutlich schwächer aus als in vergangenen Aufschwungphasen. Nach zwei Jahren der Schrumpfung zeigt sich damit eine Stabilisierung, jedoch noch kein kräftiger Neustart.
Strukturelle Belastungen wie der Verlust an Wettbewerbsfähigkeit, der demografische Wandel und laufende Anpassungen in wichtigen Industriezweigen dämpfen zwar weiterhin das Wachstum. Hinzu kommen externe Faktoren, insbesondere die erhöhten US-Zölle auf deutsche Exporte. Dennoch ist nicht zu erwarten, dass die deutsche Wirtschaft weiterhin und langanhaltend stagniert.
Vor allem die Binnenwirtschaft macht Hoffnung. Neben dem öffentlichen Sektor leistet insbesondere die private Nachfrage einen wichtigen Beitrag. Man kann also durchaus vorsichtig optimistisch in das Jahr 2026 blicken: Wenn die bereits beschlossenen finanzpolitischen Maßnahmen ihre volle Wirkung entfalten, ist eine spürbare Belebung möglich. Ein Wachstum von über einem Prozent erscheint dann realistisch.