Wer zum ersten Mal Angebote für eine Broschüre einholt, erlebt eine Überraschung: Die Preise liegen weit auseinander, und keines der Angebote lässt sich direkt mit dem nächsten vergleichen. Das liegt selten an unterschiedlicher Marge. Es liegt daran, dass jede Druckerei aus denselben Vorgaben andere Annahmen ableitet.
Die Auflage bestimmt das VerfahrenIm Offsetdruck entstehen Kosten, bevor der erste Bogen läuft: Platten, Einrichtung, Einlaufmakulatur. Diese Kosten verteilen sich auf die Auflage. Bei kleinen Mengen sind sie dominant, bei großen Mengen verschwinden sie im Stückpreis.
Im Digitaldruck entfällt die Einrichtung weitgehend, dafür ist der Preis je Bogen höher und bleibt nahezu konstant. Daraus ergibt sich ein Schnittpunkt, der je nach Format und Farbigkeit unterschiedlich liegt. Unterhalb davon ist Digitaldruck günstiger, oberhalb Offset. Dieselbe Abwägung gilt beim Bedrucken von Textilien: Siebdruck rechnet sich erst ab größeren Stückzahlen, Digitaldruck auch bei Einzelstücken.
Papier ist kein DetailBei vielen Drucksachen macht das Papier einen erheblichen Teil der Kosten aus. Entscheidend sind Grammatur, Sorte und Verfügbarkeit. Ein ungestrichenes Naturpapier fühlt sich hochwertig an und schluckt Farbe, wodurch Bilder flauer wirken. Ein gestrichenes Papier gibt Farben brillanter wieder und wirkt technischer. Wer auf Umweltverträglichkeit achtet, kann nach Druckereien fragen, die nach den Kriterien für den Blauen Engel für Printprodukte arbeiten; diese setzen unter anderem Recyclingpapier voraus.
Teuer wird es, wenn eine Sorte nicht am Lager liegt. Dann kommt eine Sonderbestellung mit Mindestmenge dazu, und ein Auftrag über wenige hundert Exemplare trägt plötzlich eine ganze Palette.
Stellschrauben und ihre relative Wirkung auf den Stückpreis Format und NutzenGedruckt wird auf Bogen, die anschließend geschnitten werden. Wie viele Exemplare aus einem Bogen entstehen, nennt sich Nutzen. Ein Format, das knapp über der Grenze liegt, halbiert im schlimmsten Fall die Ausbeute und verdoppelt damit den Papieranteil.
Deshalb lohnt die Frage an die Druckerei, welches Endformat dem geplanten nahekommt und besser aufgeht. Ein paar Millimeter Unterschied bleiben unbemerkt und verändern den Preis spürbar. Wer solche Varianten vorab durchspielen will, findet bei publisher.ch einen Rechner für Auflage, Papier und Druckkosten, mit dem sich Format, Umfang und Menge gegeneinander abwägen lassen.
Bindeart und UmfangDie Bindung wird bei der Planung oft zuletzt betrachtet und entscheidet trotzdem über Format und Seitenzahl. Rückstichheftung, also die Klammer im Falz, funktioniert nur bei Seitenzahlen, die durch vier teilbar sind, und wird bei großem Umfang unhandlich, weil die inneren Bogen vorstehen.
Klebebindung braucht einen Mindestumfang, damit der Rücken trägt, und kostet Platz im Bund, wo Text nicht mehr gut lesbar ist. Spiralbindung liegt flach auf und wirkt technisch. Wer den Umfang um vier Seiten anpasst, spart häufig mehr als jede Papieränderung, weil ein weiterer Bogen entfällt.
Was Angebote vergleichbar machtEin Angebot ist erst vergleichbar, wenn fünf Angaben identisch sind: Endformat, Seitenzahl, Papiersorte mit Grammatur, Farbigkeit je Seite und Bindeart. Fehlt eine davon, vergleicht man unterschiedliche Produkte.
Hilfreich ist außerdem, Staffelpreise zu erfragen. Häufig kostet die doppelte Menge deutlich weniger als das Doppelte, und diese Information verändert die Planung mehr als jede Verhandlung über den Grundpreis.
Der ZeitfaktorExpress kostet Aufschlag, weil Maschinenzeit umgeplant werden muss. Wer eine Woche Puffer einplant, kauft dieselbe Leistung günstiger ein. Der größere Hebel liegt aber bei den Daten: Eine Datei, die im ersten Durchlauf durch die Vorstufenprüfung geht, spart Korrekturschleifen, und jede Schleife kostet Zeit auf beiden Seiten. Druckgerechte Daten anzulegen gehört deshalb zu dem Handwerk, das angehende Grafikdesigner in ihrer Ausbildung lernen.
Häufige Fragen Ab welcher Auflage lohnt sich Offsetdruck?Das hängt von Format und Farbigkeit ab. Weil im Offset Einrichtkosten anfallen, die sich auf die Auflage verteilen, liegt der Schnittpunkt bei einfachen Drucksachen oft im niedrigen vierstelligen Bereich.
Warum ist mein Wunschformat teurer als ein Standardformat?Weil aus dem Druckbogen weniger Exemplare geschnitten werden können. Der sogenannte Nutzen sinkt, der Papieranteil je Stück steigt.
Welche Angaben braucht ein vergleichbares Angebot?Endformat, Seitenzahl, Papiersorte mit Grammatur, Farbigkeit je Seite und Bindeart. Ohne diese fünf Angaben vergleichen sich Angebote nicht.
Der Beitrag Druckkosten kalkulieren: Wo der Preis tatsächlich entsteht erschien zuerst auf Neurope.eu - News aus Europa.